Reifenventile: Unterschied zwischen den Versionen
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24.07.2006 | |||
Reifen | |||
'''Plötzlich säuselt der Pneu''' | |||
Vulkaniseure schlagen Alarm: Die Reifenventile vieler Transporter reißen ab. Betroffen sein sollen Fahrzeuge mehrerer Marken. | |||
Sie sind schnell wie Pkw und auf Nutzlast getrimmt wie Brummis. Keine Frage, Transporter von heute strotzen vor ausgefeilter Technik. Doch an einer wichtigen Stelle scheint die Entwicklung stehen geblieben zu sein: In den Reifen der meisten Fabrikate stecken noch Gummiventile. Und die stellen ein "nicht mehr kalkulierbares Sicherheitsrisiko" dar, sagen Experten. | |||
"Die Gummiventile reißen am Ventilfuß ein. Es kommt zu einem schleichenden Luftverlust, im schlimmsten Fall platzt der Reifen", sagt der Obermeister der bayerischen Vulkaniseur-Innung, Michael Immler. Seit ein paar Jahren häuften sich solche Fälle. Dabei würden nur die wenigsten überhaupt bekannt werden. "Wir haben eine sehr hohe Dunkelziffer", sagt Immler, der auch als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger arbeitet. Bei welchen Autos geht die Luft aus? "Opel Vivaro, Renault Trafic, Peugeot Boxer, Mercedes-Benz-Sprinter", nennt er als Beispiele für potenzielle Wackelkandidaten. | |||
Die Schwachstelle, um die es geht, trägt die Bezeichnung TR 414. Dieser Typ Gummiventil wird bei Transportern seit Jahren verbaut. Warum reißen sie jetzt so oft ein? "Die Autos sind heute für höherere Nutzlasten ausgelegt, der Reifendruck liegt bei vier bar und darüber und nicht mehr wie früher bei 2,5 bar. Und sie fahren viel schneller. "Vor allem aber liege es an der Kontur der Felgen, dass das Ventil kaputt geht, erklärt Immler. "Fahrzeuggewicht, Fliehkräfte und Felgenform führen dazu, dass das Ventil ab Tempo 70 am Felgenhorn anliegt." Zudem gelange auf Grund der Felgenform "heiße Bremsluft" an den Gummi. All das führe unter dem Strich zu einer um bis zu 40 Prozent geringeren "Ventil-Standzeit". | |||
Die gleichen Erfahrungen hat Immlers niedersächsischer Kollege Peter Laudahn gemacht. "Das ist ein echtes Problem", sagt der Obermeister der Landesinnung. Wie Immler rüstet auch er Transporter deshalb längst standardmäßig mit Metallventilen aus. "Aus Sicherheitsgründen sollten das auch die Fahrzeughersteller tun", betont der Handwerksunternehmer. | |||
Autokonzerne: Alles im grünen Bereich | |||
Die Fahrzeughersteller weisen die Vorwürfe der Vulkaniseure zurück. Beispiel Peugeot: "Die von Automobiles Peugeot verbauten Ventile werden entsprechend den dazu geltenden Tabellen je nach Ausführung des Transporters definiert und nach umfassenden Tests für den Serieneinbau freigegeben. Abhängig vom Fahrzeugtyp werden daher in der Serie verschiedene Ventiltypen eingesetzt. Es somit sichergestellt, dass es zu keinen Beschädigungen und Überschreitungen des Höchstdruckes kommen kann", teilt der Hersteller mit. Und: Bis dato sind "keine Anomalien in diesem Bereich an unseren Transportern bekannt". | |||
Renault stellt klar: "Wir wissen von keinem Trafic-Modell, bei dem so etwas passiert ist. Auch aus unserem Händlernetz gibt es keine Meldungen", sagt Pressesprecher Thomas May-Englert. Renault habe den bayerischen Sachverständigen aufgefordert, konkrete Fälle zu nennen, bislang aber keine Antwort erhalten. Und der Renault-Sprecher betont: "Wenn das wirklich ein sicherheitsrelevantes Problem wäre, würde jeder Fahrzeughersteller doch sofort reagieren." | |||
Auch Mercedes-Benz winkt ab. Es gebe keinen einzigen Fall, bei dem an einem Transporter mit den Orginalventilen ab Werk ein solcher Schaden aufgetreten sei, sagt Unternehmenssprecher Michael Gutzeit. In allen von den Sachverständigen dokumentierten Problemfällen handle es sich um Ventile, die nachträglich, zum Beispiel bei einem Reifenwechsel, an die Fahrzeuge gelangt seien. Und diese Ventile seien beim Einbau oft auch "vorgeschädigt" worden. | |||
Metallventile, wie sie das Vukaniseur-Handwerk fordert, sind für Mercedes-Benz kein Thema. "Die sind nicht optimal für die 15-Zollräder unserer Transporter", sagt Gutzeit. Bei den Stahlfelgen sei wenig Platz fürs Ventil. Die Gefahr: "Metallventile könnten beim Einbau verbogen werden." | |||
Zielen die Vulkaniseure mit ihrer Kritik also in die falsche Richtung? Immerhin, deren Vorwurf hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg auf den Plan gerufen. "Wir haben alle Fahrzeughersteller angeschrieben, die Untersuchung läuft noch", betont ein Sprecher der Behörde. | |||
Die Vulkaniseure befürchten unterdessen, dass die Angelegenheit im Sande verläuft: "Die Hersteller behaupten gegenüber dem KBA, dass alles in Ordnung sei. Das ist fast schon ein Skandal, dass sie ihre Fahrzeuge noch immer nicht mit anderen Ventilen ausliefern", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk, Hans-Jürgen Drechsler. | |||
Version vom 18:38, 2. Aug 2010
Reifenventil zerbröselt
geschrieben von: Unterfranke
Datum: 19. Mai 2010 09:26
Darum lasse ich meine Reifen immer mit Metalschraubventilen ausrüsten.
Die kosten auch nicht die Welt mehr und sind mehrmals Verwendbar.
Ausserdem sehen die auch Schicker aus!
mfg
Unterfranke
Re: Reifenventil zerbröselt
geschrieben von: hageo
Datum: 20. Mai 2010 16:37
Halloo,
also das ist ja wirklich der allerletzte Zeitpunkt, beim Reifenwechsel auch noch kein neues Ventil einzuziehen!
Mal vorstellen: das Dingelchen wird permanent gestresst, besonders durch die Radbewegungen und durch die Fliehkräfte bei Höchstgeschwindigkeit.
Stelle ich mir übrigens nicht besonders romantisch vor, wenn bei der Heimfahrt in Frankreich nachtsumhalbdrei bei Nieselwetter plötzlich die Luft aus dem Pneu entfleucht.
Erstens kann der Pneu hin sein, aber immer jedoch die Laune.
Den Vorschlag, Schraubventile zu verwenden, halte ich übrigens für eine sehr gute Lösung, die sicherheitsbewußten Fahrern immer zu empfehlen ist.
à bientôt (mit dem richtigen Akzent..),
hageo
Vulkaniseure schlagen Alarm:
Die Reifenventile vieler Transporter reißen ab.
Betroffen sein sollen Fahrzeuge mehrerer Marken.
link:
http://handwerk.com/ploetzlich-saeuselt-der-pneu
24.07.2006
Reifen
Plötzlich säuselt der Pneu
Vulkaniseure schlagen Alarm: Die Reifenventile vieler Transporter reißen ab. Betroffen sein sollen Fahrzeuge mehrerer Marken.
Sie sind schnell wie Pkw und auf Nutzlast getrimmt wie Brummis. Keine Frage, Transporter von heute strotzen vor ausgefeilter Technik. Doch an einer wichtigen Stelle scheint die Entwicklung stehen geblieben zu sein: In den Reifen der meisten Fabrikate stecken noch Gummiventile. Und die stellen ein "nicht mehr kalkulierbares Sicherheitsrisiko" dar, sagen Experten.
"Die Gummiventile reißen am Ventilfuß ein. Es kommt zu einem schleichenden Luftverlust, im schlimmsten Fall platzt der Reifen", sagt der Obermeister der bayerischen Vulkaniseur-Innung, Michael Immler. Seit ein paar Jahren häuften sich solche Fälle. Dabei würden nur die wenigsten überhaupt bekannt werden. "Wir haben eine sehr hohe Dunkelziffer", sagt Immler, der auch als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger arbeitet. Bei welchen Autos geht die Luft aus? "Opel Vivaro, Renault Trafic, Peugeot Boxer, Mercedes-Benz-Sprinter", nennt er als Beispiele für potenzielle Wackelkandidaten.
Die Schwachstelle, um die es geht, trägt die Bezeichnung TR 414. Dieser Typ Gummiventil wird bei Transportern seit Jahren verbaut. Warum reißen sie jetzt so oft ein? "Die Autos sind heute für höherere Nutzlasten ausgelegt, der Reifendruck liegt bei vier bar und darüber und nicht mehr wie früher bei 2,5 bar. Und sie fahren viel schneller. "Vor allem aber liege es an der Kontur der Felgen, dass das Ventil kaputt geht, erklärt Immler. "Fahrzeuggewicht, Fliehkräfte und Felgenform führen dazu, dass das Ventil ab Tempo 70 am Felgenhorn anliegt." Zudem gelange auf Grund der Felgenform "heiße Bremsluft" an den Gummi. All das führe unter dem Strich zu einer um bis zu 40 Prozent geringeren "Ventil-Standzeit".
Die gleichen Erfahrungen hat Immlers niedersächsischer Kollege Peter Laudahn gemacht. "Das ist ein echtes Problem", sagt der Obermeister der Landesinnung. Wie Immler rüstet auch er Transporter deshalb längst standardmäßig mit Metallventilen aus. "Aus Sicherheitsgründen sollten das auch die Fahrzeughersteller tun", betont der Handwerksunternehmer.
Autokonzerne: Alles im grünen Bereich
Die Fahrzeughersteller weisen die Vorwürfe der Vulkaniseure zurück. Beispiel Peugeot: "Die von Automobiles Peugeot verbauten Ventile werden entsprechend den dazu geltenden Tabellen je nach Ausführung des Transporters definiert und nach umfassenden Tests für den Serieneinbau freigegeben. Abhängig vom Fahrzeugtyp werden daher in der Serie verschiedene Ventiltypen eingesetzt. Es somit sichergestellt, dass es zu keinen Beschädigungen und Überschreitungen des Höchstdruckes kommen kann", teilt der Hersteller mit. Und: Bis dato sind "keine Anomalien in diesem Bereich an unseren Transportern bekannt".
Renault stellt klar: "Wir wissen von keinem Trafic-Modell, bei dem so etwas passiert ist. Auch aus unserem Händlernetz gibt es keine Meldungen", sagt Pressesprecher Thomas May-Englert. Renault habe den bayerischen Sachverständigen aufgefordert, konkrete Fälle zu nennen, bislang aber keine Antwort erhalten. Und der Renault-Sprecher betont: "Wenn das wirklich ein sicherheitsrelevantes Problem wäre, würde jeder Fahrzeughersteller doch sofort reagieren."
Auch Mercedes-Benz winkt ab. Es gebe keinen einzigen Fall, bei dem an einem Transporter mit den Orginalventilen ab Werk ein solcher Schaden aufgetreten sei, sagt Unternehmenssprecher Michael Gutzeit. In allen von den Sachverständigen dokumentierten Problemfällen handle es sich um Ventile, die nachträglich, zum Beispiel bei einem Reifenwechsel, an die Fahrzeuge gelangt seien. Und diese Ventile seien beim Einbau oft auch "vorgeschädigt" worden.
Metallventile, wie sie das Vukaniseur-Handwerk fordert, sind für Mercedes-Benz kein Thema. "Die sind nicht optimal für die 15-Zollräder unserer Transporter", sagt Gutzeit. Bei den Stahlfelgen sei wenig Platz fürs Ventil. Die Gefahr: "Metallventile könnten beim Einbau verbogen werden."
Zielen die Vulkaniseure mit ihrer Kritik also in die falsche Richtung? Immerhin, deren Vorwurf hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg auf den Plan gerufen. "Wir haben alle Fahrzeughersteller angeschrieben, die Untersuchung läuft noch", betont ein Sprecher der Behörde.
Die Vulkaniseure befürchten unterdessen, dass die Angelegenheit im Sande verläuft: "Die Hersteller behaupten gegenüber dem KBA, dass alles in Ordnung sei. Das ist fast schon ein Skandal, dass sie ihre Fahrzeuge noch immer nicht mit anderen Ventilen ausliefern", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk, Hans-Jürgen Drechsler.
Dekra hält billige Gummiventile für Sicherheitsrisiko.
3000 kaputte Ventile im Jahr.
link:
http://www.spiegel.de/auto/werkstatt
--Daktari 18:04, 20. Mai 2010 (CEST)