Umlenkhebel-rep

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Haftungsausschluss


"Wer einen Kutter hat, der beim Gasgeben nach links und beim Gaswegnehmen nach rechts zieht (oder war's andersrum?), sollte zuallererst mal die Lager der Umlenkhebel auf Spiel kontrollieren!"

Inhaltsverzeichnis


Umlenkhebel-Reparatur

Hallo zusammen,

nach langer Schreibabstinenz melde ich mich auch mal wieder! Ich habe in letzter Zeit nur mitgelesen und vor allem sehr oft das Archiv bemüht, um die kleinen Macken meines Kutters in den Griff zu bekommen. Momentan verweigert der TÜV-Onkel die Plakette, weil der rechte Umlenkhebel sehr großes Spiel hat. Hier im Forumsarchiv ist mir aufgefallen, dass die Infos zum Thema "Lager der Umlenkhebel erneuern" sehr verstreut sind, so dass es sehr zeitaufwendig ist, sich alles zusammen zu suchen. Bilder von der Reparatur gab es bislang auch nicht, deshalb habe ich die Digicam mit in die Garage genommen und alles geknipst.


Hier also der erste Teil: Ausbau des (rechten) Umlenkhebels und Austreiben der Lager.

Sehr hilfreich für die Reparatur sind die entsprechenden Seiten aus dem "Stein der Weisen" (Teil 1, die letzten 5-6 Seiten). Hilfreich ist außerdem eine Grube oder Hebebühne. Alternativ könnte man auch den Kutter auf der entsprechenden Seite vorne aufbocken und das Rad abnehmen, dann sollte man auch gut rankommen, allerdings von oben. Die folgenden Bilder habe ich aus der Grube geschossen. Texte dazu sind jeweils unter dem Bild.


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Da ist das Biest! Es wurde besrimmt seit 10 Jahren nicht mehr abgeschmiert, und als ich damit wieder anfing, war es schon längst zu spät. Der Hebel sitzt total lose in der Lagerung. Das dürfte wohl die Hauptursache für das zuletzt sehr starke "Schwimmen" meines Kutters sein.


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Zunächst einmal müssen diese beiden Spurstangenköpfe aus dem Umlenkhebel herausgedrückt werden. Und das geht wirklich NICHT nur mit einem Hammer und Kriechöl. Man braucht einen geeigneten Abzieher:


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Ein solcher Kugelgelenkabzieher kostet in Werkstattqualität 60-70 Euro. Zuviel, wenn man das Ding nur alle 1-2 Jahre mal braucht. Bei Shebay findet man billigere Abzieher für ca. 20 Euro (inkl. Versand), die für "gelegentlichen" Einsatz reichen sollten. Allerdings sind die handelsüblichen PKW-Kugelgelenkabzieher für die hier zu entfernenden Spurstangenköpfe gerade eben groß genug. Kleiner dürften sie jedenfalls nicht sein.

Nun also die Muttern entsplinten, losschrauben und entfernen, Abzieher ansetzen und festziehen. Nicht immer fester ziehen und warten, das etwas passiert, dann würde wohl eher der Abzieher durchbrechen. Stattdessen den Abzieher gut festziehen und dann mit einem größeren Hammer seitlich vor den Umlenkhebel kloppen, genau dort wo der Konus des Spurstangenkopfs drinsitzt. Durch den Druck des Abziehers und die Erschütterung des Hammers wird sich der Konus recht bald lösen:


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Hier sind beide Spurstangenköpfe schon rausgedrückt, der linke steckt noch lose im Umlenkhebel.


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Die Spurstangen (die lange Stange quer zur Fahrtrichtung heißt vermutlich noch anders, aber Ihr wisst ja, was ich meine!) kann man dann seitlich wegdrehen, so dass sie nicht im Weg sind. Der Umlenkhebel liegt dann frei zum Ausbau.


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Als nächstes müssen diese Muttern von oben gelöst werden. Es sind zwei Muttern mit einem Sicherungsring dazwischen. Bei mir waren sie nicht besonders fest, ich konnte sie mit einem Hakenschlüssel und einer einfachen Rohrzange lösen (laut "Stein der Weisen" ist dafür eine Spezialnuss erfoderlich - beim Wiedereinbau wäre sie wohl auch sehr hilfreich).


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Sind die Muttern gelöst, kann man den Umlenkhebel nach unten herausziehen. In der Lagerhülse am Rahmen verbleiben die äußeren und inneren Lager, bzw. das, was davon noch übrig ist. Die äußeren Lager waren bei meinem Kutter praktisch nicht mehr vorhanden.


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Hier ist deutlich das untere Innenlager zu erkennen. Der Ring darunter ist die Schale des unteren äußeren Lagers. Diese Schale konnte ich problemlos mit einem Montiereisen heraushebeln.


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Dasselbe auf der Oberseite. Auch hier ließ sich die Schale des äußeren Lagers leicht abhebeln.


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Jetzt wird's interessant. Laut "Stein der Weisen" braucht man nämlich einen speziellen Innenabzieher, um die Innenlager aus der Lagerbuchse heraus zu bekommen. Damit soll das untere Innenlager nach unten herausgezogen werden, damit man anschließend mit einem großen Dorn das obere Innenlager nach oben heraustreiben kann. Hier im Forum hatte aber jemand die wunderbare Idee, ein Spezialwerkzeug zu erfinden, mit dem man einfach beide Innenlager nach oben herausdrücken kann.

Es besteht aus einer Gewindestange (hier M10), zwei bzw. drei Stecknüssen, zwei dicken Unterlegscheiben und zwei Muttern. An der Seite, die oberhalb der Lagerbuchse sein wird (hier links), findet sich unterhalb der Mutter und Unterlegscheibe eine sehr große Nuss (hier eine 32er). Sie muss so groß sein, dass sie oben auf der Lagerbuchse aufliegt, und dass die Innenlager in sie hinein getrieben werden können. Von unten kommt zunächst eine Nuss, die exakt in die Lagerbuchse passt und die in der Lage ist, die Innenlager heraus zu drücken. Eine 22er Nuss sollte dafür ideal sein. Hier mit abgebildet ist auch eine 19er Langnuss, die später nötig wird, um auch das untere Innenlager mit der 22er Nuss nach oben hin durch zu treiben. Darunter natürlich wieder eine Unterlegscheibe und eine Mutter.


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Hier ist die Vorrichtung an der Lagerbuchse angesetzt.

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Die 22er Nuss passt haargenau in die Buchse und drückt beide Innenlager sauber nach oben heraus.


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Man muss natürlich ausdauernd schrauben, aber diese Methode führt ohne Hektik und ohne Gehämmere entspannt zum Ziel.


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Hier ist die 22er Nuss schon komplett in der Lagerbuchse verschwunden, so dass die 19er Langnuss nachdrücken muss.


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Nun müsste bald das obere Innenlager oben herausgedrückt werden.


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Da ist es - die Vorrichtung wurde hier mal eben entfernt. Das untere Lager steckt jetzt mitten in der Lagerbuchse und wird dann einfach mit der Vorrichtung weiter nach oben heraus getrieben.


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So sieht die leere Lagerbuchse ohne Innenlager von unten aus.


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Und das ist der Reparatursatz, der alles für die Instandsetzung beinhaltet. Er heißt Reparatursatz 644, Originalersatzteilnummer A 631 330 14 49, Preis bei DC 65,10 Euro. Bei autoteile.cc bekommt man ihn ebenfalls, findet ihn aber nicht über die OE-Nummer. Die Nummer des Nachbauteils ist 034 033 0006, Hersteller Meyle, Preis 46,93 Euro, zu finden im Menü unter Mercedes-Benz 100 Achsaufhängung.../- Achsschenkel-Reparatursatz.

Hier geht's also weiter mit dem zweiten und letzten Teil - ist vielleicht nicht ganz so "spannend" wie der erste.


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Hier steckt das neue untere Innenlager ein winziges Stück in der Lagerbuchse. Es empfiehlt sich, das Lager mit einem Hammer ein kleines bisschen (vielleicht ein bis zwei Millimeter) hineinzuklopfen, damit es gerade in der Buchse sitzt und problemlos hineingetrieben werden kann:


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Nun kommt wieder die Gewindestange zum Einsatz, diesmal nur mit je einer Unterlegscheibe und Mutter pro Seite. Solange schrauben, bis das Lager komplett in der Buchse ist.

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So sieht es anschließend aus. Das Lager muss aber noch ein paar Millimeter weiter hinein, damit noch Platz ist für die Schale des äußeren Lagers.


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Also nochmal die 22er Nuss zur Hand nehmen und das Innenlager ein kleines Stück weiter hineintreiben.


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Anschließend treibt man das obere Innenlager hinein, die Vorgehensweise ist genau wie beim unteren.


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Sind beide Innenlager in der Buchse, bringt man die Schalen für die äußeren Axiallager in Position.


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Es reicht wohl eigentlich, wenn man sie nur leicht in ihren Sitz klopft; ich habe aber nochmal die Gewindestange mit genau in die Schalen passenden Unterlegscheiben angesetzt. Ich finde solche selbstgebauten Spezialwerkzeuge einfach genial.


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Beim Umlenkhebel sollte man zumindest den Bolzen von altem Fett und Dreck befreien.


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So sieht er schon etwas besser aus.


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Nach Bearbeitung mit einer Drahtbürste sieht man hier, dass die offenbar schon länger verschlissenen und defekten Innenlager einige Spuren hinterlassen haben.


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Hier sieht man das untere Axiallager (darunter, nicht sichtbar, die dazugehörige Laufscheibe) und den unteren Dichtring. So wird der Bolzen dann wieder von unten in die Buchse gesteckt. Vorher natürlich alles ordentlich einfetten!


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Hier wird der Bolzen in die gut gefettete Buchse eingeführt. Ich habe es erst nur von Hand versucht, was aber irgendwann sehr mühsam wurde, so dass ich mit dem Rangierwagenheber nachgeholfen habe. Beim Hochdrücken immer hin- und herdrehen.


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Auf der Oberseite werden dann ebenfalls Axiallager, Laufscheibe und Dichtring aufgesetzt, darauf kommt dann die dicke Anschlagscheibe und die erste Mutter. Der "Stein der Weisen" erwähnt oben und unten noch jeweils eine weitere Scheibe, die aber wohl im Laufe der Jahre wegrationalisiert wurde. Anscheinend geht es auch ohne. Auf die erste Mutter kommt dann eine Sicherungsscheibe, und darauf die zweite Mutter, die gesichert wird.

Probleme hat mir das "richtige" Anziehen der beiden Muttern bereitet. Der "Stein" gibt 20 Nm für die erste und 60 Nm für die zweite Mutter vor, aber ohne die Spezialnuss kann man dort natürlich keinen Drehmomentschlüssel ansetzen. Ich habe erst nach einigem Herumprobieren eine gefühlsmäßig passende Einstellung gefunden. Wenn das ganze kein Spiel hat und auch nicht zu stramm ist, kann ja nach Sicherung der oberen Mutter (durch Umlegen der Laschen der Sicherungsscheibe) eigentlich nichts mehr anbrennen.


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So, jetzt ist alles wieder an seiner Stelle, nur die Splinte in den Gewinden der Spurstangenköpfe fehlen hier noch.

Insgesamt war das Ganze halb so wild, nur halt etwas zeitaufwendig. Unverzichtbar ist in jedem Fall der Kugelgelenkabzieher für die Spurstangenköpfe (ist aber eine absolut lohnende Investition - was habe ich schon bei meinen früheren Autos über ungeeignete Provisorien und zwecklose Hammer-Orgien geflucht!), und das fantastische Spezialwerkzeug aus einer Gewindestange und ein paar Nüssen. Damit sollte die Reparatur für jedermann zu schaffen sein.

Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, ob sich das Fahrverhalten nun bessern wird (habe noch keine Proberunde gedreht). Zuletzt "schwamm" der Kutter extrem, was ich erst auf meine nagelneuen Winterreifen (Hankook W401) geschoben habe. Den Eindruck, dass längsprofilierte Reifen dem Kutter zu mehr Spurtreue verhelfen, kann ich also voll bestätigen - meine (ziemlich abgefahrenen) Kumho-Sommerreifen konnten das Lagerspiel im Umlenkhebel noch ziemlich gut kompensieren. Mit den Zick-Zack-Profil-Winterreifen wurde das Schwimmen plötzlich viel stärker, d.h. der Defekt im Umlenkhebel trat mehr zu Tage.

Morgen werde ich mal eine ausgiebige Probefahrt machen und dann berichten. Für den TÜV muss ich dann noch die vorderen Bremsbeläge erneuern, die Leuchtweitenregulierung flicken (würg) und einmal unterm Getriebe herwischen. Drückt mal die Daumen, Donnerstag oder Freitag geht's zur Nachprüfung!

(Original von Ross: http://f23.parsimony.net/forum53376/messages/21497.htm und http://f23.parsimony.net/forum53376/messages/21522.htm )

Ergebnisbericht:

BESTENS!!!

Der Kutter ist kaum wieder zu erkennen, er fährt tatsächlich wieder unbeirrbar geradeaus (vom heute sehr heftigen Seitenwind mal abgesehen). In der Lenkung sind praktisch keine Antriebseinflüsse mehr zu spüren. Es ist im Moment noch etwas irritierend, weil bei mir das Gegenlenken schon zu einem Automatismus geworden war!

Wer also einen Kutter hat, der beim Gasgeben nach links und beim Gaswegnehmen nach rechts zieht (oder war's andersrum?), sollte zuallererst mal die Lager der Umlenkhebel auf Spiel kontrollieren!

(Original von Ross: http://f23.parsimony.net/forum53376/messages/21594.htm )



Unterschiedliche Spurstangen ?

geschrieben von: Martin(Apolda)

Datum: 18. April 2012 08:32

Moin,

ja, es gibt unterschiedliche Ausführungen.

Ich hab es damals bei der Überholung meiner Vorderachse am alten Kutter gemerkt.

Ich hatte vom neueren Modell den Umlenkhebel als Ersatz.

Das Konusmaß ist beim alten Modell kleiner.


lt. EPC waren die bis 013457 verbaut.

Danach die mit dem größeren Konusmaß


Gruss aus Kreuzberg Martin