Kaufberatung

Aus MB100 Archiv
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Haftungsausschluss


Beachtenswertes beim Ankauf eines MB100 (Bj. 1985-1995)

Grundsätzliches

Der MB 100 stellt keine großen Ansprüche an Technik und Fahrleistungen.

Er hat einen stabilen Leiterrohrrahmen, Frontantrieb und einen bewährten 4-Zylinder Saugdiesel-Vorkammermotor (OM616) mit Fünfganggetriebe.

Das macht ihn prinzipiell zu einem zuverlässigen Arbeitstier mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.


Herkunft

Gebaut wurde der MB 100 von 1985 - 1995 in Spanien, Vitoria. Ole!


Modellvarianten

Serienmäßig gab es den MB 100 in einer kurzen und einer langen Ausführung sowie mit oder ohne Hochdach.

Mit 1,85 m Innenhöhe bieten die Modelle mit Hochdach für die meisten Menschen Stehhöhe.

Alle Modelle haben zumindest zwei schwenkbare Hecktüren, eine Schiebetüre rechts und vorne natürlich die Türen für Fahrer und Beifahrer.


Man unterscheidet weiter zwischen:

- geschlossenem "Kastenwagen" (optional mit einer weiteren Schiebetüre links bzw nur Schiebetüre links) mit Platz für Fahrer und Beifahrer und Trennwand (horizontal geteilt, demontierbar) zwischen Fahrerhaus und Laderaum,

- dem "Kombi" mit zwei weiteren Fenstern und einer zweiten Sitzreihe für insgesamt 4 Personen (mit Fahrer) und Trennwand zum Laderaum

- sowie dem "Bus" mit 9 Sitzplätzen und rundum vorhandener Verglasung.

- Außerdem gab es noch eine Ausführung mit Pritsche/Plane.

- 8/1991 kam es zu einem "Modellwechsel". Es wurden kleine kosmetische Veränderungen an der "Schnauze" vorgenommen, der MB bekam durch geringfügige Modifikationen am Zylinderkopf drei PS mehr Leistung (von 72 auf 75 PS), ein nachglühfähiges Steuergerät und einen etwas veränderten Armaturenträger. Die hintere Stoßstange wurde um die Ecken gezogen (diese sind aber dennoch nach wie vor meistens verbeult).

An Spezialfahrzeugen gibt es eine Vielfalt an Wohnmobilaufbauten, mittelgroße Busse mit Platz für etwa 20 Personen, gepanzerte Geldtransporter, Verkaufswagen und Huckepack-Abschleppwagen.

Motorisierung

Von den Beschleunigungswerten des bewährten OM616 will ich hier nicht allzuviel reden, sage nur daß der Kutter es mit jeder vollbesetzten Straßenbahn locker aufnimmt.

Der Kenner schweigt und genießt.....!

(Einem unbestätigten Gerücht zufolge kann die Familie in Wohnmobilen hinten auch während eines Kavalierstarts ohne weiteres MIKADO spielen. )


So, wer es bis hierher geschafft hat ist womöglich ernsthaft an der Beschaffung eines MB 100 interessiert und wird über gewisse Details bescheid wissen wollen.


FAHRWERK

Wie schon erwähnt ist der 100er ein vorderradgetriebener Transporter.

Die Hinterachse
http://archiv.mb100.de/images/thumb/4/4c/J4100041.JPG/800px-J4100041.JPG
ist starr, von zwei mächtigen Blattfedern getragen und so relativ anspruchslos was Wartung und Fahrverhalten betrifft.


Anders die Vorderachse, diese durch die eher außergewöhnlichen Drehstäbe gefedert wird. Da diese Dreh- oder Torsionsstäbe mittig durch die Achsschenkellager geführt sind bedarf diese Baugruppe der regelmäßigen händischen Abschmierung mittels Kartuschenfettpresse.

Jede Seite weist zwei Schmiernippel auf (jeweils vor und hinter der oberen Stoßdämpferaufnahme), einer der beiden etwas versteckt. Wird diese Servicemaßnahme nicht regelmäßig durchgeführt kann die Vorderachse "festgehen".

Der Wagen "hüpft" dann, gefedert nur mehr durch Reifenluft und Fahrwerksgummis, bockig durch die Gegend.

Die Reparatur kann sehr kostspielig sein, muß aber nicht.


LENKUNG

Der MB 100 hat ein servounterstütztes Lenkgetriebe.

Frühe Modelle wurden auch ohne Servo ausgeliefert, davon ist abzuraten.

Eine Lenkstange führt parallel zur Fahrzeuglängsachse vom Servogetriebe nach hinten zum linken der beiden am Rahmen befestigten Umlenkhebel.

Von dort überträgt sich die Kraft zum zweiten Umlenkhebel mittels Spurstange.

Beide Lagerungen der Umlenkhebel weisen ebenfalls je einen Schmiernippel auf.

Da diese Nippel nur von unten zugänglich sind wird deren Schmierung oft vernachlässigt!

Dadurch kann es zu größerem Spiel bzw. Schwergängigkeit der Lenkung kommen.

Im schlimmsten Fall steht eine teure Reparatur an!


BREMSEN

Die Scheibenbremsanlage ist technisch gesehen auf heutigem Kleinwagenniveau!

Hinten gibt es zwei Trommelbremsen mit einer automatisch-lastabhängigen Bremskraftregelung (ALB).

Vorne zwei Doppelkolbenbremssättel mit Bremsscheiben.

Speziell Wohnmobile wurden mit innenbelüfteten Bremsscheiben gefertigt.

Die Bremscheiben sind generell nur mit erheblichen Zeitaufwand/Wissen/Können zu wechseln, da hierzu die Vorderachse zerlegt werden muss!


Ältere MB 100 haben oft zugequollene Bremsschläuche an der Vorderachse.

Dadurch kommt es nicht nur zu schlechtem Bremsverhalten sondern auch zu festgegangenen Bremszylindern mit allen unangenehmen Folgeerscheinungen.

Hier sollte man beim Kauftest besonders acht geben und sich vom einwandfreien Zustand überzeugen.

Unbedingt auf die Verschleißdicke der Bremsscheibe von 14,0 mm achten!



MOTOR

Alle MB 100 (außer dem mittelgroßen Reisebus mit 5tem Zylinder) werden von einem Mercedes 4 Zylinder 4-Takt Reihensaugdieselmotor mit obenliegender Nockenwelle (Steuerkette), Vorkammern, Glühstiftkerzen und BOSCH Reiheneinspritzpumpe angetrieben (OM616).

Damit erreicht der MB 100 eine eingetragene Hächstgeschwindigkeit von 126 km/h sowie hervorragende PÖL-Verträglichkeit.

Verschiedentlich wurde von Tachogeschwindigkeiten bis zu 145 km/h berichtet, was an der Serienstreuung der Motoren und Getriebe als auch der Tachos liegen mag.

Als Richtwert bei einer Probefahrt würde ich eine Tachogeschwindigkeit von 130 km/h als Zeichen voller Leistungsentfaltung annehmen.

Beim Modellwechsel 91/92 wurde die Leistung durch geringfügige Modifikationen am Zylinderkopf von 53 kW auf 55 Kw gesteigert.

Die über Schlepphebel betätigten, hängenden Ventile (2 je Zylinder) müssen alle 30.000 auf korrektes Spiel geprüft und gegebenenfalls nachgestellt werden!

Der Motor ist grundsätzlich hochbelastbar und vollgasfest, muß allerdings (wie alle anderen auch) dazu kerngesund sein.


GETRIEBE

Das etwas hakelige Fünfganggetriebe will sauber geschalten werden.

Ansonsten ist es unauffällig und anspruchslos.

Vor allem ein etwas widerspenstiger zweiter Gang scheint normal zu sein.

Ein Getriebeölwechsel kann bei entsprechender Kilometerleistung oft Wunder wirken.

Die ersten Modelle wurden mit einem 5-Gang Getriebe ausgeliefert bei dem der Retourgang vorne links war.

Diese waren extrem reparaturanfällig, also solche Exemplare besser stehen lassen!


KÜHLUNG

Die Kühlung ist nicht überdimensioniert.

Wenn alle Bauteile ok sind reicht sie für alle Fälle aus.

Hat sich allerdings der Kühler, ohne daß man das sofort sehen kann, schon etwas "auseinandervibriert", gibt es Undichtigkeiten und damit zu tiefen Kühlmittelstand oder ist der Viskolüfter defekt so kann es allerdings rasch zu fatalen Überhitzungen führen.

Ein erwähnenswerter Schwachpunkt ist das im Fahrzeuginneraum unter dem Armaturenträger befindliche Heizungsregelventil, welches leider nicht nur wenig feinfühlig zu regeln ist, sondern auch gerne undicht wird.


ELEKTRIK

Die Elektrik ist unanffällig.

Einzig die Masseleitung (ein geflochtenes Metallband) zwischen Motor und Karrosserie ist zu erwähnen.

Sie zerfällt nach einigen Jahren und sollte stets rechtzeitig erneuert werden.


KUPPLUNG

Einscheibentrockenkupplung. Bei den älteren Modellen über Seilzug, bei den neueren Modellen hydraulisch betätigt.

Die Kupplung ist relativ haltbar(Richtwert 150.000 km, +/- 50.000 km).

Man sollte wissen, daß der Wechsel aufwändig und damit eher teuer ist.


KARROSSERIE/ROST

Stahlblechkonstruktion, unverzinkt.

Ich finde der Stahl hat keine schlechte Qualität, auf einige Punkte wo sich gerne Rost findet ist zu achten:

- Das Blech über der Windschutzscheibe bei normal hohen Modellen,

- die Fußräume vorne unter den Matten,

- die B-Säulen innen,

- sämtliche Unterkanten der Karrosse, speziell bei den Schiebetüren.

- Die Querstreben am Fahrzeugboden bei fehlenden oder rissigen ovalen Gummistopfen.

- Unbedingt ist die Führungsschiene der Schiebetüre im Bodenblech zu überprüfen.

- Diese rostet gerne im Bereich der kleinen Querträger durch und ist dann nur mit grossem Aufwand zu reparieren. Von Mercedes gibt es nur das komplette Bodenblech.

- Der Bereich unter der Batterie ist wie die Auspuffanlage auch zu kontrollieren.


SONSTIGES

Kontrolliere die Lager der Wischerarme. Die sind oft schon ausgeleiert und verrostet.

Die Vorrichtung zur Messung des Treibstofffüllstandes im Tank ist sehr anfällig. Es gibt kaum einen MB 100 der korrekt und verzögerungsfrei anzeigt! Der Tank umfasst 70 Liter laut Werksangabe. Bei vielen ist aber schon nach 50 vereuerten Litern Schluß. Warum das so ist liegt noch (02.01.2004) im Dunkeln. (Anmerkung: Einigen hat die Umsetzung des Das 25%-Problems weitergeholfen)


Ansonsten kann man nur sagen, daß der MB 100 ein sympathisches und treues Fahrzeug ist mit einfacher Technik und einigen Besonderheiten ist.

Das bisserl Mehraufwand an Wartung quittiert er mit einem langen Leben.

Laufleistungen von etlichen 100tkm sind keine Seltenheit.


Und nun viel Erfolg bei der Suche und viel Spaß als frischgebackener Kutterkapitän!

Zitat von Fred

Der Entwurf stammt dankenswerterweise von Laser (Christian)