Drehstabfederung, Drehstabfeder ermüdet

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Haftungsausschluss


Drehstabfederung, Drehstabfeder ermüdet

geschrieben von: blacky

thread

Datum: 05. November 2011 20:42

Hallo,

hab jetzt den Drehstabfeder- thread für die Werkzeugkiste zusammengefasst und ergänzt.

Ich habe versucht die wichtigen Aussagen in einen logischen Ablauf zu bringen.


Drehstabfederung, Torsionsdrehstab ausbauen


http://archiv.mb100.de/images/3/37/Drehstabfederung%2C_Verzahnung.JPG


Die Vorderradfederung erfolgt mit Hilfe von zwei in Fahrtrichtung liegenden Drehstäben/ Torsionsstäben, die die oberen Querlenker federn.

Der Drehstab ist vorn im Fzg.rahmen und im ob. Querlenker mittels Kerbverzahnung fixiert.

Der Ausbau der Drehstäbe ist erforderlich wenn die Drehstäbe durch Materialermüdung die erforderliche Vorspannung verloren haben, oder der ob. Querlenker ausgebaut werden muß.

Der ob. Querlenker ist in einem bestimmten Winkel zur horizontalen eingebaut , um dem Drehstab die notwendige Vorspannung zu geben. Der Winkel ist nach Fzg.-End- Nr, und nach Drehstabdurchmesser unterschiedlich eingestellt.

Es gibt rechte und linke Drehstäbe I= Drehstab links, D= Drehstab rechts

Einstellwinkel : (lt. Daimler- Unterlagen)

Bis Fzg.-End- Nr, 099540

Drehstab-D 24 = 17°25’ max. 21° (ET-Nr. 631 323 10 65 li; …11 65 re)

Drehstab-D 25 = 13°30’ max. 15° (ET-Nr. 631 323 14 65 li; …15 65 re)


Ab Fzg.-End- Nr, 099540

Drehstab-D 25 = 17°

Drehstab-D 26 = 14° (ET-Nr. 631 323 12 65 li; …13 65 re)

Drehstab-D 27 = 12° (ET-Nr. 631 323 22 65 li; …23 65 re)

DB-Meßwinkel

http://archiv.mb100.de/images/7/78/DB-Me%C3%9Fwinkel.JPG


Besonders bei Fzg. mit 24mm Drehstaben kann das Fzg. aufgrund von Materialermüdung vorn stark eintauchen und dadurch deutlich Fahrkomfort und Bodenfreiheit verlieren. Außerdem fahren sich die Reifen vorn auf der Innenseite stäker ab, da der Radsturz negativ wird. ( Normalwert 40’ +/-20’)

Als Abhilfe können die Einstellwinkel der Drehstäbe vergrößert werden.

Wann ist die Vorderradfederung ermüdet?

(Ralle) Ich mess das so. Wenn meine Hand ohne Daumen zwischen Reifen und Kotflügel passt iss gut (Die Hand Senkrecht, nicht Waagrecht)

Das Fahrzeug darf bei der Messung natürlich nicht stark beladen sein.

(Ralle) Bezüglich Fahrzeugvermessung steht in den Unterlagen als "Vorbereitende Messung" immer die Bodenfreiheit zu messen und zwar (anderst wie Dak) vom gewachsenen Boden zu den Winkeleisen, an denen der untere Querlenker befestigt ist. Danach gehts an die fixe Länge der Schubstange. Dann erst gehts mit der "Achsvermessung los". Eingestellt werden kann nur Nachspur linkes und rechtes Rad. Wenn jemand die Gesamtnachspur einstellt, macht er was falsch. Der Sturz is fix über die Querlenker (QL) und die Stellung der QL im Raum (guter Drehstab - schlechter Drehstab) Der Nachlauf wird durch die Distanzscheibenpakete, die vor und nach den beiden unteren QL-Drehpunktlagern gepackt sind, eingestellt und muss eigentlich nie geändert werden.

Diese Messung zeigt den richtigen Normalzustand

http://archiv.mb100.de/images/a/aa/800px-Drehstabfederung_1.JPG


Um die Drehstabeinstellung zu verändern muss der Drehstab ausgebaut werden.

- Stoßstange abbauen - Fzg. vorn aufbocken - Vorderrad abbauen - Stoßdämpfer oben lösen - Gummifeder(Puffer) abbauen - Achsschenkel am ob. Traggelenk ausbauen -event. vord. Stabilisator am Querlenker abbauen

Jetzt ist der obere Querlenker freigelegt und man kann die Einstellung messen.

http://archiv.mb100.de/images/a/a0/Einstellung_messen..jpg

bzw. das Mass bei erlahmtem Drehstab

http://archiv.mb100.de/images/5/5e/Einstellung_messen.1.JPG


Zur Verstellung muß nun der Drehstab raus.

Vor dem Ausbau die Lage des Drehstabs mit Körnerpunkten markieren.

(Ralle) „Uwe mit Bus, ein stiller Karmann Foriker hier, hat bei einem Mercedes Kutterfachman den Tip bekommen nicht nach Winkel den Drehstab einzubauen wie es in den Publikationen steht sondern nach einem festen Maß von 180-190 mm gemessen vom Vierkantrohr zum Querlenker (zu der Stelle wo die Gewindestange durchkommt) . Ich hab das jetzt mehrfach ausprobiert und sie kommen alle wieder hoch.

Was etwas triggi bei der arbeit, ist die Tatsache das die Drehstäbe eingerostet sind. Ein spezieller Ausdrücker den es bei mir mittlerweile gibt ,erleichter das Ganze. In harten Fällen hilft aber nur den Drehstab mittig abzuflexen und ein Loch in die vordere Rahmenaufnahme zu bohren für ne Rostlöserimpfung mit begleitender Wärmebehandlung.

Gebrauchte Drehstäbe nützen nur was wenn eindeutig klar ist obs ein rechter oder linker war und wenn sie beim Ausbau gezeichnet worden sind wo die 12 Uhr Stellung war. Neu kosten 130€ das Stück aber Vorsicht gibt verschiedene und bei den Karmanns die ja als Triebling vom Band fielen werden dir nach Fahrgestellnummer gerne Stäbe mit zu geringer Achslast verkauft.

Die Einstellung gilt für alle Kutter. Der Drehstab geht nur nach vorne raus und ist an beiden enden durch einen Seegering gehalten. Der Abzieher muss am hinteren Drehstablager befestigt werden, was mit handelsüblichem Gerät auf der Fahrerseite mangels Platz (Bremsleitungen)nicht funzt.


(Jetzt ist auch ein idealer Zeitpunkt um dem Querlenker eine ordentliche Fettpackung zu verpassen!)

Drehbar mit dem Zollstock auf Abstand 180-190 zum Vierkantrohr halten und den Drehstab einschieben. Dann sitzt er auf dem Richtigen Zahn. Lahme Stäbe kannst so auch ein Zahn weiter bringen. Ob die lange so halten wird man sehen.

Noch was. Das Spannen des Drehstabes geht nur mit Werkzeug.

Das Werkzeug zum spannen sieht so aus (zweimal in der Schrotttonne gerührt)

http://archiv.mb100.de/images/0/0e/Werkzeug_zum_spannen.jpg


Das Spannwerkzg. wird benötigt um dem Querlenker wieder entgegen der Drehfederspannung nach oben zu ziehen um das obere Traggelenk einbauen zu können.

Als Spannvorrichtung habe ich behelfsmäßig konventionelle Federspanner verwendet, was allerdings nicht besonders empfehlenswert erscheint, da diese Spanner an ihrer Belastungsgrenze sind. Es muss immerhin eine Kraft von ca.5000N (entspricht ca.500kg) aufgebracht werden!

Spannvorrichtung behelfsmäßig

http://archiv.mb100.de/images/c/cf/Werkzeug_zum_spannen.1.JPG


Da ich mit dem Klammerabzieher anfangs nicht weiterkam, hab ich die Schock-Frost-Rostlöser Methode mit Erwärmung der vorderen Einspannung ein paar Mal durchgeführt. (Hausmittelchen wie WD40 waren übrigens erfolglos!) Erwärmung mit Propanbrenner (kleine Flamme)auf ca. 100-150°. Danach mit meinem größten Hammer(3Kg Spaltaxt)und Messingdorn ein paar kräftige Schläge von vorne auf den Drehstab bis er sich ein paar 1/10mm bewegte. Dann mit kleinerem Hammer wieder in entgegengesetzte Richtung. Das ganze Spiel ein paar mal hin und her. Dann konnte ich mit dem schwächlichen Klammerabzieher den Stab nach vorn ausdrücken. Klammerabzieher konnte ich ansetzen nachdem der Bremsleitungsverteiler abgeschraubt war und Bremsltg. zur Seite gedrückt waren.

Verzahnung mit Schlüsselfeile, Sägeblatt und Drahtbürste entrostet und mit reichlich Kupferpaste, Kettenfett etc. eingeschmiert. Die Verzahnung am Querlenker war übrigens Rostfrei.

Wem das Einstellmaß von mehr als 185 mm zuviel ist kann andere Abstände einstellen. Es lassen sich die Querlenker anscheinend in 1° Winkelabstand individuell einstellen, indem der Drehstab in unterschiedlichen Verdrehposition solange versucht wird einzuschieben bis es passt. Hier die Erklärung des “Phänomens” von Hajo (Funman):

Warum hat der Stab ungleiche Zähnezahlen auf beiden Seiten? Da hat man sich was bei gedacht. Nämlich: Wenn Du den Stab am vorderen Ende um 1 Zahn =9° verdrehst und am hinteren Ende gleichzeitig um 1 Zahn =10° in die ANDERE Richtung, dann hast Du im Ergebnis eine Verdrehung um 10°-9° = 1° ! Und das dürfte fein genug sein.


Wenn die Einstellung stimmt sollte der Radsturz positiv sein ( Sollwert 40' +/-20') .








--Daktari 11:52, 15. Nov 2011 (CET)